GLOCK G43 in 9mm Luger im Test

1200-09-2015-Glock-G43-in-9x19mm-2Die neue GLOCK G43 kommt ganz anders daher, als andere Pistolen von GLOCK. Und dennoch ist die kleine Subkompaktpistole unschwer als eine echte GLOCK zu erkennen. Die Kollegen von VISIER haben die Pistole in 9mm Luger genauer unter die Lupe genommen.

Das österreichische Bundesministerium für Landesverteidigung (MBLV) entschied sich 1982 für die Anschaffung der GLOCK-Pistole. In den vergangenen Jahrzehnten fanden die GLOCKs nicht nur in österreichischen Behördenholstern Platz, sondern begleiten heute Beamte und Soldaten rund um den Globus im Dienst. Neben diesem internationalen Erfolg des 9-mm-Modells (GLOCK 17) bietet die GLOCK zahlreiche Modelle in einer Vielzahl von Kalibern an. Die Pistolen von GLOCK gliedern sich in vier Größen:

  • Standard („Fullsize“- oder Dienstwaffen-Größe: GLOCK 17, 20, 21, 22, 31, 37),
  • Compact: (GLOCK 19, 23, 25, 32, 38),
  • Subcompact (GLOCK 26, 27, 28, 29, 30, 33, 39)
  • Competition (GLOCK 34 und 35).

Die neue GLOCK 43 gehört ihrer Größe nach eigentlich zu den subkompakten Waffen, zusätzlich fällt sie in die Unterkategorie „Slimline“. Denn dieser Punkt ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium, das sie von den anderen GLOCK-Pistolen abhebt.

Glock G43 und G19 im direkten Vergleich. Die schon kompakte G19 misst in allen Richtungen mehr Zentimeter. Nur die Höhe des Schlittens ist bei beiden Pistolen identisch.

Die GLOCK G43 aus der Nähe

Glock G43 und G19 im direkten Vergleich. Die schon kompakte G19 misst in allen Richtungen mehr Zentimeter. Nur die Höhe des Schlittens ist bei beiden Pistolen identisch.

Glock G43 und G19 im direkten Vergleich. Die schon kompakte G19 misst in allen Richtungen mehr Zentimeter. Nur die Höhe des Schlittens ist bei beiden Pistolen identisch.

Die Slimline-Modelle, zu denen auch die GLOCK 36 in .45 ACP gehört, zeichnen sich durch eine schlankere Bauform aus. Wie wird dies erreicht? Die Antwort ist relativ einfach: durch die Verwendung von einreihigen Magazinen. Das bisher kleinste Modell, die GLOCK 26 – von GLOCK selbst als „Baby GLOCK“ bezeichnet – zeigt sich mit ihrem doppelreihigen Magazin deutlich breiter. Sie misst an ihrer „dicksten“ Stelle exakt 30 Millimeter. Die neue G 43 kommt hier auf 26 Millimeter, ihr Schlitten gar nur auf eine Breite von 22 Millimetern. GLOCK verpasste dem neuen Modell eine deutliche Schlankheitskur.

In Höhe und Länge unterscheiden sich die beiden Modelle hingegen nur unwesentlich. Ihre geringe Breite geht natürlich zulasten der Magazinkapazität: Sechs Patronen 9 x 19 Luger können in beide beiliegende Magazine gefüllt werden. Die doppelreihige GLOCK 26 bietet hier sofort zehn Schuss mit dem Standardmagazin und Aufrüstmöglichkeiten für Magazine mit bis zu 33 Patronen. Der Grund für den „Schlankheitstrend““nennt sich „ultra concealable pistol“, also sehr gut zum verdeckten Führen geeignete Kurzwaffen. Dieses Modell ist speziell auf dem US-Zivilmarkt gefragt, denn in vielen Bundesstaaten dürfen die Bürger zum Selbstschutz Waffen verdeckt führen.

Um in der Alltagskleidung möglichst unauffällig und nicht zuletzt auch noch halbwegs bequem zu sitzen, legen die Konstrukteure erhöhte Priorität auf die Maße der Pistolen. Da man solche Subkompakten im „concealed carry“- Trageverfahren gern im Hüft-, Bauch-, Innenbund- oder Wadenholster trägt, darf man die Breite der Waffe nicht vernachlässigen. Sie kann über ein Entdecken oder Unerkanntbleiben des Verteidigungsmittels entscheiden.

Natürlich ist die Waffe auch für den Behördenmarkt interessant. Viele Spezialeinheiten setzen auf eine zweite Kurzwaffe als „Back Up“-Waffe. Die GLOCK G 43 darf sich also auch vor der Gegenüberstellung mit der Walther PPS nicht scheuen. Ergebnis: Die PPS ist einen Zentimeter länger und zirka zwei Millimeter höher.  Aber der Schlitten der GLOCK ist drei Millimeter breiter als der der WALTHER PPS. Dafür wiegt die GLOCK fast 100 Gramm weniger: 508 zu 605 Gramm (jeweils mit leeren Magazinen).

Das Set: Die Glock G43 mit den beiden beiliegenden Magazinen und der Ladehilfe. Beide Magazine fassen sechs Patronen.

Das Set: Die Glock G43 mit den beiden beiliegenden Magazinen und der Ladehilfe. Beide Magazine fassen sechs Patronen.

Das Set: Die Glock G43 mit den beiden beiliegenden Magazinen und der Ladehilfe. Beide Magazine fassen sechs Patronen.

GLOCK G43 – die Technik

Technisch geht alles seinen gewohnten Gang. GLOCK-üblich findet sich auch in der schlanken G 43 ein Browning-Petter-SIG-System mit abkippendem Lauf und unten offener Steuerkulisse. Das Patronenlager verriegelt passgenau im Auswurffenster. Auch die G 43 setzt auf ein Safe-Action-System mit teilvorgespanntem Schlagbolzen. Der Polymerrahmen beherbergt den GLOCK-Safe-Action-Abzug mit integrierter Sicherungszunge.

Die Glock G43 geöffnet: Das Patronenlager ist als Riegelblock ausgestattet und trägt am unteren Ende die Steuerkulisse.

GLOCK G43 – Ergonomie

Die Glock G43 geöffnet: Das Patronenlager ist als Riegelblock ausgestattet und trägt am unteren Ende die Steuerkulisse.

Die Glock G43 geöffnet: Das Patronenlager ist als Riegelblock ausgestattet und trägt am unteren Ende die Steuerkulisse.

Bauartbedingt fällt die Größe des Rahmens und damit auch die Größe der Handauflage gering aus. Die Oberflächentextur der Griffflächen orientiert sich an den griffigen Quadraten, die bereits bei der kleinen G 42 in 9 mm Kurz zu finden sind. Das seit GLOCKs vierter Fertigungsgeneration (Gen 4) bekannte MBS-System gibt es für G 43 nicht (MBS = Modular Back Straps: Name für das System, das Auswechselbare Griffelemente in verschiedenen Größen beinhaltet). Das Griffstück lässt sich jedoch durch das zweite beiliegende Magazin etwas nach unten verlängern, da dieses über einen verlängerten Magazin-Schuh verfügt. Die Bedienelemente stellen GLOCK-Kenner ebenfalls vor keine Probleme. Magazintaste und Zerlegehebelchen befinden sich an den gewohnten Plätzen. Nur die Magazintaste wurde etwas vergrößert und lässt sich auf Wunsch von links nach rechts versetzen.

Das Schlagwort „Slimline“ zeigt, dass die G43 (r.) schmäler ausfällt. Hier im direkten Vergleich mit einer Glock 19 (l.).

Das Schlagwort "Slimline" zeigt, dass die G43 (r.) schmäler ausfällt. Hier im direkten Vergleich mit einer Glock 19 (l.).

Das Schlagwort „Slimline“ zeigt, dass die G43 (r.) schmäler ausfällt. Hier im direkten Vergleich mit einer Glock 19 (l.).

Die GLOCK G43 auf dem Schießstand

Für den Praxistest wählte VISIER Fabrik-Munition von 95 bis 154 Grains Geschossgewicht. Getestet wurde auf 15 Meter Entfernung sitzend, auf dem Sandsack aufgelegt. Die kleine GLOCK verschoss sämtliche Munitionssorten absolut störungsfrei. Für eine Subkompakt-Pistole liegt sie vergleichsweise ruhig im Schuss und kommt mit recht wenig Hochschlag aus. Besonders die schweren 154-Grains-Geschosse gehen sanft raus. Die Remington UMC lieferte mit einem Streukreis von 33 Millimetern den besten Wert, gefolgt von der GECO Hexagon mit 56 Millimetern. Beim Schießen mit dem verlängerten Magazin liegt die G 43 gut beherrschbar und sicher in der Hand. Verwendet man das kürzere Standardmagazin, wird bei vielen Schützen der kleine Finger nicht mehr den Griff umschließen können. Beim Befüllen des Magazins und der Patronenzufuhr gab es nichts zu bemängeln.

Die GLOCK G43 ist klein. Mit dem Standard-Magazin nimmt der Griff der Glock etwa zwei Drittel der Innenhandfläche ein – der kleine Finger einer normalgroßen Männerhand findet keine Anlagemöglichkeit mehr am Griff

Testfazit GLOCK G43

Die GLOCK G43 ist klein. Mit dem Standard-Magazin nimmt der Griff der Glock etwa zwei Drittel der Innenhandfläche ein – der kleine Finger einer normalgroßen Männerhand findet keine Anlagemöglichkeit mehr am Griff

Die GLOCK G43 ist klein. Mit dem Standard-Magazin nimmt der Griff der Glock etwa zwei Drittel der Innenhandfläche ein – der kleine Finger einer normalgroßen Männerhand findet keine Anlagemöglichkeit mehr am Griff

Die neue GLOCK 43 zeigt sich im Test als ordentlich verarbeitete und äußerst führige Selbstladepistole. Neben ihren kompakten Abmessungen bildet vor allem das äußerst niedrige Gewicht von nur knapp über 500 Gramm (mit leerem Magazin) ein starkes Argument für die Waffe. Denn als „Back Up“, Selbstschutz oder Revierbegleiter dürfte sich die Kleine sicherlich als sehr effektiv erweisen. Und nicht zuletzt sollte der Preis von 644 Euro überzeugen.

 

 

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